Besser als mancher denkt: Technologietransfer in der Schweiz
In der Wissenschaft gehören die Schweizer zur Top-Elite. Und auch punkto Schnelligkeit legen sie zu. In den letzten Jahren ist ein immer dichter werdendes Netz aus öffentlichen und privaten Institutionen entstanden, welche die Umsetzung neuer Technologien aus dem Universitätslabor in marktreife und erfolgreiche Produkte fördern.
Früher verpönt, heute gefeiert
Bis vor 10 Jahren sah man es an den Universitäten ungern, wenn die Forscher mit der Industrie gemeinsame Sache machten: Eine schöne Villa für die ganze Formel oder ein neuer Porsche für den entscheidenden Hinweis. Trotzdem schätzen auch heute viele Unternehmen den direkten Umgang mit Forschenden nicht besonders, weil diese im Verhandeln von Verträgen wenig versiert sind. Dazu kam lange eine grosse Ungewissheit über das geistige Eigentum an den in den kantonalen Universitäten gemachten Erfindungen.
Der Erfolg von Wissens- und Technologietransfer ist auch ohne die Berücksichtigung solcher Machenschaften schwierig zu messen. Statistiken über den Prozentsatz von Hochtechnologieprodukten am Export, beispielsweise, geben allenfalls Aufschluss über die Kommerzialisierung. Der Staat kann gegenüber diesem Phänomen mit einem Zöllner verglichen werden, der einen Koffer voll Disketten kontrolliert: Sind sie leer, müssen sie zu ihrem Stückpreis verzollt werden. Enthalten sie hingegen Informationen, gelten sie als Gebrauchsgüter und ihr Wert beträgt in den Augen des Zöllners somit Null. Auch gezieltere Indikatoren wie das Hinterlegen von Patenten erlauben nur eine Vorstellung von der Spitze des Eisbergs.
Umdenken bei Universitäten und ETH
Inzwischen haben die Universitäten, Fachhochschulen und auch die ETH Technologietransferstellen geschaffen oder zumindest einen Verantwortlichen für die Beziehungen mit der Wirtschaft ernannt. Spin-offs und Start-ups werden in zahlreichen Technoparks beherbergt und begleitet. Am 10. Oktober 2003 wurde diesbezüglich der Swiss Technology Transfer Verein swiTT gegründet. Als Vereinigung der hauptberuflich an einer Forschungs- und Bildungsstätte, einem Universitätsspital oder einer anderen nicht-gewinnorientierten Forschungsinstitution im Technologietransfer tätigen Personen.
Ferner ist die Ausbildung in den Bereichen Innovationsmanagement, Geistiges Eigentum und Firmengründung verstärkt worden. Wer als Programmierfreak mit Labtop und Clerasil in der Tasche von der Uni abgeht und sich mit seiner Software selbständig macht, gilt heute als Held. Und erhält von allen Seiten die dargebotene Hand. Zum Teil mit auch mit Geld drin.
Vater Staat vermittelt
Mit der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) hat der Bund eine effiziente Förderstelle für Innovation geschaffen. Sie vermittelt zwischen F&E-Projekten und Unternehmern in nahezu allen Hightech-Bereichen. Experten bewerden die Projekte und verleihen Ihnen das KTI Start-up Label, welches sich unter Investoren als Gütesiegel etabliert hat. Verbessert wurde auch der juristische Schutz von Rechten am geistigen Eigentum. Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE) ermöglicht auf ihrer Website den Zugang zu nationalen und internationalen Datenbanken für Patente und Marken.
Was jetzt noch fehlt ist eigentlich nur noch der Mut jedes einzelnen «es zu wagen», wie einer der erfolgreichsten Schweizer Unternehmer unlängst treffend meinte.
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